Samstag, 19. März 2022

Sophie von Kühn 225. Todestag

Sophie von Kühn
Friedrich Hardenbergs große Liebe

Sophie von Kühn starb vor 225 Jahren am 19. März 1797 in Grüningen. Sophie von Kühn war die Verlobte Friedrich von Hardenbergs (Novalis), die im Alter von 15 Jahren starb und deren Andenken er in vielen seiner Werke, insbesondere in den »Hymnen an die Nacht« (1800), eindrücklich bewahrt hat.

Sophie war die Stieftochter des Hauptmanns Johann Rudolph von Rockenthien und Tochter der Sophie Wilhelmine von Kühn. Auf dem Schloss Grüningen im heutigen Thüringen begegneten sich am 17. November 1794 die zwölfjährige Sophie und der 22-jährige Novalis zum ersten Mal. Novalis teilte seinem Bruder Erasmus von Hardenberg in einem Brief darüber mit, dass eine „Viertelstunde“ über sein Leben entschieden habe.

Am 15. März 1795, kurz vor ihrem dreizehnten Geburtstag, gab es dann schon ein inoffizielles Verlöbnis mit Friedrich von Hardenberg.

Im November 1795 wurde Sophie schwer krank, erholte sich aber scheinbar wieder. Nach drei schweren Operationen (damals noch ohne Narkose) zwischen Mai und Juli 1796 verstarb sie jedoch am 19. März 1797 auf dem Schloss Grüningen.


Seine Beziehung zu Sophie von Kühn, der großen Liebe Novalis, die leider viel zu früh und noch vor der geplanten Eheschließung in jungen Jahren verstarb. Novalis war vom Verlust tief getroffen und entwickelte Todessehnsucht, er wollte der Geliebten nachsterben.

Sophie von Kühn wurde am 17. März 1782 geboren.

Samstag, 12. Februar 2022

Friedrich von Hardenbergs Manuskript an Schlegel

Novalis


Im Februar 1798 schickte Georg Philipp Friedrich von Hardenberg ein Manuskript an seinen Freund August Wilhelm Schlegel mit der Bitte: "Hätten Sie Lust öffentlichen Gebrauch davon zu machen, so würde ich um die Unterschrift Novalis bitten, welcher ein alter Geschlechtsname von mir ist, und nicht ganz unpassend."

Es war eine alte Seitenlinie der Hardenbergs, welche sich nach einem Besitztum "von Rode(n)" oder latinisiert "de Novali" bezeichnete. Von diesem "de Novali"leitete Friedrich von Hardenberg sein dichterisches Pseudonym "Novalis"ab. Novalis bedeutet "Der Neuland-Bestellende". Tatsächlich verstand sich Friedrich von Hardenberg auf dem literarischen Feld als ein solcher.

Als er zu Ostern 1798 seine Fragment-Sammlung "Blüthenstaub" für die Zeitschrift "Athenaeum" herausgab, stellte er sich der Öffentlichkeit als Novalis vor. "Fragmente dieser Art sind literarische Sämereien. Es mag freilich manches taube Körnchen darunter sein: indessen, wenn nur einiges aufgeht!"

Biografie:

Novalis Leben und Werk
Novalis: Leben und Werk
Friedrich von Hardenbergs
von Gerhard Schulz

Samstag, 15. Januar 2022

»Die Christenheit oder Europa« von Novalis

»Die Christenheit oder Europa« von Novalis

Novalis‘ Text, zu seiner Zeit für eine Veröffentlichung in der Zeitschrift »Athenäum« vorgesehen, wurde vom Jenaer Romantikertreffen im November 1799 als zu „schwach und ungenügend“ empfunden und somit erst im Jahre 1826 auf Veranlassung von Georg Reimer posthum veröffentlicht und gedruckt.

Zu Beginn des Textes präsentiert Novalis der Frühromantik entsprechend das Mittelalter als einen Idealzustand, in welchem die Menschen von den Geistlichen gleich „erfahrnen Steuerleute[n]“[5] geleitet, beschützt und beraten werden. Der Papst tritt als Friedensvermittler zwischen den Völkern auf und „mit Recht“ widersetzt sich die Kirche den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, da abzusehen ist, dass die Bevölkerung „das eingeschränkte Wissen dem unendlichen Glauben vorziehn würde und sich gewöhnen würde alles Große und Wunderwürdige zu verachten“ .

Novalis ist dem Fortschritt und den Wissenschaften keineswegs abgeneigt, gerade „das gewaltige Emporstreben aller andern menschlichen Kräfte“ empfindet er im Schoße der Kirche als bereichernd, jedoch „war die Menschheit für dieses herrliche Reich [noch] nicht reif, nicht gebildet genug“ (N, S.24). Novalis kritisiert hier also keineswegs die Herausbildung der Vernunft alleine, sondern bemängelt die daraus resultierende Abwendung von Glaube und Kirche. Denn zu dieser kommt es letztlich und die Menschen Europas werden in den Augen Novalis aus diesem Ideal-Zustand des Mittelalters und der harmonischen Entwicklung der „Wissenschaften des Lebens und der Künste“ herausgerissen: „So fällt die schöne Blüte seiner Jugend, Glauben und Liebe ab, und macht den derbern Früchten, Wissen und Haben Platz.“

In der Folge bleiben auch die Vertreter des Glaubens nicht von dieser Entwicklung verschont: „Sie (die Geistlichkeit) war stehen geblieben im Gefühl ihres Ansehens und ihrer Bequemlichkeit, während die Laien […] mächtige Schritte auf dem Wege der Bildung vorausgetan hatten. In der Vergessenheit ihres eigentlichen Amts […] waren ihnen die niedrigen Begierden zu Kopf gewachsen.“ Die rationale Erkenntnis und der Drang nach materiellem Reichtum treten in den Vordergrund.

So ist auch die Reformation durch Luther eine legitime Revolution gegen die herrschenden Zustände in der Kirche, jedoch muss Novalis feststellen, dass dadurch kein besserer Zustand erreicht, sondern vielmehr die Kirche und deren Einheit zerschlagen wird, denn „sie (die Protestanten) trennten das Untrennbare, teilten die unteilbare Kirche und rissen sich frevelnd aus dem allgemeinen christlichen Verein, durch welchen und in welchem allein die echte, dauernde Wiedergeburt möglich war.“ (N, S. 27f.)

Die weltlichen Fürsten schlagen in der Folgezeit Kapital aus der zerschlagenen Einheit, indem sie „diese Streitigkeiten zur Befestigung und Erweiterung ihrer landesherrlichen Gewalt und Einkünfte“ (N, S. 28) nutzen. Die Religion wird „irreligiöser Weise in Staats-Grenzen eingeschlossen“ (N, S. 28) und verliert damit „ihren großen politischen friedestiftenden Einfluss, ihre eigentümliche Rolle des vereinigenden individualisierenden Prinzips“ (N, S. 28). Hierbei ist auch erwähnenswert, dass zur Zeit der Entstehung des Textes der Papst von den französischen Truppen in Italien abgesetzt und verschleppt worden war und somit zu jener Zeit das Oberhaupt der katholischen Christenheit fehlte: „Das Papsttum liegt im Grabe (N, S. 47) […] Die neure Politik entstand erst in diesem Zeitpunkt, und einzelne mächtige Staaten suchten den vakanten Universalstuhl, in einen Thron verwandelt, in Besitz zu nehmen.“ (N, S. 30)

Zu den weltlichen Einflüssen, die der Spaltung der Kirche geschuldet sind, zählt auch die Aufklärung mit dem aufkommenden Gefühl der Mündigkeit hinzu, was zu weiterer Abkehr von Phantasie und Gefühl und einen Hass gegen die Religion führt: „Der anfängliche Personalhaß ging allmählich in Haß gegen die Bibel, gegen den christlichen Glauben und endlich gar gegen die Religion über. Noch mehr – der Religions-Haß dehnte sich sehr natürlich und folgerecht auf die Gegenstände des Enthusiasmus aus, verketzerte Phantasie und Gefühl, […] setzte den Menschen mit Not oben an, und machte die unendliche schöpferische Musik des Weltalls zum einförmigen Klappern einer ungeheuren Mühle, die vom Strom des Zufalls getrieben und auf ihm schwimmend, eine Mühle an sich, ohne Baumeister und Müller […] sei.“ (N, S. 34)

Dieser haltlose Zustand stellt für Novalis aber nur einen nötigen Zwischenschritt zur Wiederauferstehung der Religion dar, denn „wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor.“ (N, S. 37) So kann er die Revolutionäre und „Staatsumwälzer“ auch nur belächeln, die von der Meinung beseelt sind, man könne einen Staat umwälzen und diesen dauerhaft etablieren, wenn man die „Tendenz nach der Erde behält“ (N, S. 38).

Daraufhin wendet sich Novalis einem Blick in die Zukunft zu, in der die Religion wieder auferstehen wird. „Eine neue goldne Zeit mit dunkeln unendlichen Augen, eine prophetische wundertätige und wundenheilende, tröstende und ewiges Leben entzündende Zeit“ (N, S. 41) wird kommen und die Menschen erneut vereinen und in Frieden zusammenführen. Denn nach Meinung Novalis‘ „ist [es] unmöglich, daß weltliche Kräfte sich selbst ins Gleichgewicht setzen, ein drittes Element, das weltlich und überirdisch zugleich ist, kann allein diese Aufgabe lösen. […] Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und die Völker sichern, und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr altes friedensstiftendes Amt installieren.“ (N, S. 45f.)

Seine Schlussforderung ist dann auch die folgende: „Die Christenheit muß wieder lebendig und wirksam werden, und sich wieder ein[e] sichtbare Kirche ohne Rücksicht auf Landesgrenzen bilden, die alle nach dem Überirdischen durstige Seelen in ihren Schoß aufnimmt und gern Vermittlerin, der alten und neuen Welt wird. […] Aus dem heiligen Schoße eines ehrwürdigen europäischen Konsiliums wird die Christenheit aufstehn, und das Geschäft der Religionserweckung nach einem allumfassenden, göttlichen Plane betrieben werden. Keiner wird dann mehr protestieren gegen christlichen und weltlichen Zwang, denn das Wesen der Kirche wird echte Freiheit sein, und alle nötigen Reformen werden unter der Leitung derselben, als friedliche und förmliche Staatsprozesse betrieben werden.“ (N, S. 48)

Novalis-Biografie:

Novalis Leben und Werk
Novalis: Leben und Werk Friedrich von Hardenbergs von Gerhard Schulz


„Ach! Wär ich nie in eure Schulen gegangen. […] Ich bin so recht vernünftig geworden, […] bin nun vereinzelt in der schönen Welt, bin so ausgeworfen aus dem Garten der Natur, wo ich wuchs und blühte, und vertrockne an der Mittagssonne“. Ähnlich wie Hölderlin kritisiert auch Novalis in seinem Fragment »Christenheit oder Europa« (1799) die kalte Vernunft der Aufklärung, durch welche die Phantasie und der Glaube verdrängt wurden. Er erinnert sich an „schöne, glänzende Zeiten, wo Europa ein christliches Land war“[2] und hofft in seiner Darstellung der Geschichte Europas auf eine Wiederauferstehung des Christentums und der Wiederherstellung ähnlich goldener Zeiten.

Entscheidend für Novalis ist hierbei, dass sich Vernunft und Glaube, Irdisches und Metaphysisches ins Gleichgewicht setzen müssen. Und genau darauf soll dieser Essay aufbauen. Europa braucht zusätzlich zu der Rationalität als ein ihm durchaus charakteristisches Merkmal ein Element, welches eben jener seine Grenzen aufweist und ein Gegengewicht darstellt. Die goldene Mitte[3] wurde zusehends aus dem Blick verloren und ein wichtiger Schritt in diese Richtung könnte in einer Rückbesinnung Europas auf seine kulturellen, religiösen und geschichtlichen Wurzeln gefunden werden.

Gerade an den heutigen Diskussionen über Europa und seiner Identität, über das Christentum in einem säkularisierten Zeitalter oder darüber, inwiefern das Christentum einen Platz in der europäischen Verfassung einnehmen sollte, wird deutlich, wie präsent das von Novalis abgehandelte Thema nach wie vor noch bzw. wieder ist.


Novalis’ 1826 posthum unter dem Titel »Die Christenheit oder Europa« veröffentlichte Rede stellt inhaltlich knapp zusammengefasst den Entwurf einer idealen Zeit dar, in der weltliche Kräfte in einer friedlichen Zeit unter einem Oberhaupt (Papst) sinnvoll geordnet sind. Nach einer Zeit des Niedergangs und Verfalls wird eine in der Zukunft angesiedelte Verjüngung der Geschichte und eine Wiedervereinigung Europas unter dem Schutz des Christentums verkündet.

Montag, 1. November 2021

»Hymnen an die Nacht« von Novalis - Zweite Strophe


Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. - Ewig ist die Dauer des Schlafs. Heiliger Schlaf - beglücke zu selten nicht der Nacht Geweihte in diesem irdischen Tagewerk. Nur die Thoren verkennen dich und wissen von keinem Schlafe, als den Schatten, den du in jener Dämmerung der wahrhaften Nacht mitleidig auf uns wirfst. Sie fühlen dich nicht in der goldnen Flut der Trauben - in des Mandelbaums Wunderöl, und dem braunen Safte des Mohns. Sie wissen nicht, daß du es bist der des zarten Mädchens Busen umschwebt und zum Himmel den Schoß macht - ahnden nicht, daß aus alten Geschichten du himmelöffnend entgegentrittst und den Schlüssel trägst zu den Wohnungen der Seligen, unendlicher Geheimnisse schweigender Bote.

 

Die »Hymnen an die Nacht« sind ein Zyklus von sechs eng untereinander verbundenen Poemen, gekleidet in eine eigentümliche Mischung Prosagedicht und Vers.

In vielerlei Hinsicht sind die »Hymnen an die Nacht« ein Gedicht ihrer Zeit.

Ihr Thema ist die Überwindung des Todes im Bewußtsein, denn an der physischen Tatsache des Lebensendes führt kein Weg vorbei.

So lassen sich die »Hymnen« eine religiöse Dichtung nennen, aber der Begriff ist zu allgemein, um diese Dichtung damit hinreichend und trefflich zu beschreiben.

»Hymnen an die Nacht« von Novalis, Zweite Strophe



Video:

Hymnen an die Nacht - Youtube

Samstag, 22. Mai 2021

Die blaue Blume als Symbol der Romantik


Der Dichter und Naturschwärmer Novalis (1772 - 1801) in seinem Roman »Heinrich von Ofterdingen« die  »Blaue Blume« als ein Symbol der romantischen Poesie.

Die blaue Blume wurde zum Inbegriff der romantischen Sehnsucht und als solche schwärmerisch verehrt oder als Weltfremdheit verworfen. Eine eingehendere Rezeption des Romans erfolgte erst im 20. Jahrhundert, vor allem im Zuge des Symbolismus.

Genau diese innere Welt heißt es bei Heinrich von Ofterdingen aufzuschließen, um die "verborgene Herrlichkeit der sichtbaren Welt" erkennen zu können. Es beginnt mit einem Traum von einer blauen Blume, einem Erweckungserlebnis, welches einen Prozess, als Reise zum schöpferischen Ich auslöste. Es geht um das bekannte Motiv des Hinabsteigens in die eigene Seele, wo der Protagonist seinem eigentlichen Selbst begegnet und dieses auf wunderliche Weise, später in Form eines geschriebenen Buches in einer Höhle vorfindet.

Auf seiner Reise nach Augsburg lernte er das Märchenhafte, Romantische und Poetische kennen und weiß zunehmend sein bisheriges kindliches Gefühl in eine künstlerische, verbale Form zu verpacken. Sein Potential zum Dichter kristallisiert sich zunehmend heraus und auch der Ton des Buches wird zunehmend allegorischer und märchenhafter. Erklärungen über die Kunst des Dichtertums verwandeln sich kontinuierlich in etwas intuitiv zugängliches, wodurch die Metaphorik weniger durch das Verstandesdenken, als vielmehr dem Gefühl erfahrbar wird.

Ein wunderschöner, bildgewaltiger, aber auch gefühlvoller und träumerischer Roman von Novalis, der leider kurze Zeit später schon verstarb.


Literatur:

Heinrich von Ofterdingen
Die blaue Blume
von Novalis

Donnerstag, 25. März 2021

Friedrich Freiherr von Hardenberg 220. Todestag


Friedrich Freiherr von Hardenberg starb vor 220 Jahren am 25. März 1801 in Weißenfels und mit ihm die deutsche Frühromantik. Seit August des Jahres 1800 war der Dichter der deutschen Frühromantik an Schwindsucht erkrankt.

»Wo Kinder sind, da ist ein goldenes Zeitalter« könnte sinngemäß für einen Dichter stehen, der als einer der berühmtesten Dichter und Denker der deutschen Frühromantik gilt.

Friedrich von Hardenberg hatte wahrlich viele Talente: er war Jurist, Bergwerksdirektor und Philosoph. Bekannt wurde er als ein bedeutender Dichter der Frühromantik.


Friedrich Freiherr von Hardenberg verstand und erfasste die Natur besser als Poet denn als wissenschaftlicher Kopf. In seinen Werken spiegelt sich die romantische Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, dem Phantastischen, dem Ahnungsvollen, nach der Kindheit, nach der Philosophie und Religion wieder. So viel romantische Sehnsucht in der Dichtung war selten.

Sein Lebensmotto lautete: Mensch werden ist eine Kunst. Zeit seines Lebens war dieser Künstler auf der Suche nach der geheimnisvollen blauen Blume, doch sein Schaffen wie auch seine Suche nach dieser schöne Blume endete viel zu früh:



  Novalis-Werke
 





Novalis
Novalis
Novalis
Novalis
Novalis - Poesie und Poetik
Novalis - Poesie und Poetik
Novalis Werke
Werke

Weblinks:

Die grossen Meister der Feder I - www.wissen.de

Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg Biografie - tu-freiberg.de



Novalis-Museum Schloß Oberwiederstedt

Sonntag, 1. November 2020

»Hymnen an die Nacht« von Novalis - Erste Strophe


Welcher Lebendige, Sinnbegabte, liebt nicht vor allen Wundererscheinungen des verbreiteten Raums um ihn, das allerfreuliche Licht - mit seinen Farben, seinen Stralen und Wogen; seiner milden Allgegenwart, als weckender Tag. Wie des Lebens innerste Seele athmet es der rastlosen Gestirne Riesenwelt, und schwimmt tanzend in seiner blauen Flut - athmet es der funkelnde, ewigruhende Stein, die sinnige, saugende Pflanze, und das wilde, brennende, vielgestaltete Thier - vor allen aber der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem schwebenden Gange, und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen. Wie ein König der irdischen Natur ruft es jede Kraft zu zahllosen Verwandlungen, knüpft und löst unendliche Bündnisse, hängt sein himmlisches Bild jedem irdischen Wesen um. - Seine Gegenwart allein offenbart die Wunderherrlichkeit der Reiche der Welt.



Die »Hymnen an die Nacht« sind ein Zyklus von sechs eng untereindander verbundnene Poemen, gekleidet in eine eigentümliche Mischung Prosagedicht und Vers.

In vielerlei Hinsicht sind die »Hymnen an die Nacht« ein Gedicht ihrer Zeit.

Ihr Thema ist die Überwindung des Todes im Bewußtsein, denn an der physischen Tatsache des Lebensendes führt kein Weg vorbei.

So lassen sich die »Hymnen« eine religiöse Dichtung nennen, aber der Begriff ist zu allgemein, um diese Dichtung damit hinreichend und trefflich zu beschreiben.

»Hymnen an die Nacht« von Novalis, Erste Strophe



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Hymnen an die Nacht - Youtube